Dieser Kommentar erreichte dieses Blog von einem langjährigen SPD- Mitglied aus NRW. Zum Verhalten der Kalkarer Genoss*innen möchte es anonym folgendes sagen:
„Die Sozialdemokrat:innen waren am 23. März 1933 die einzigen Abgeordneten, welche gegen das sogenannte „Ermächtigungsgesetz“ der Nazis im Reichstag der Weimarer Republik stimmten. Die Kommunist:innen, welche sicherlich ebenso abgestimmt hätten, waren zu dem Zeitpunkt bereits im Untergrund, ins Ausland geflohen oder verhaftet worden. Die Gefahr der Verfolgung und massiven Bestrafung für ihr demokratieerhaltendes Verhalten war den Abgeordneten der SPD also wohl bewusst, als sie sich als letzte verbliebene Opposition gegen die Tyrannei der NSDAP stellten.
Danach kam, was viele bereits befürchteten: der gnadenlose Gegenschlag der Faschist:innen gegen die Partei von Otto Wels und Genoss:innen. Der Parteivorstand floh ins Ausland, erst nach Prag später dann nach London. Als „SoPaDe“ wurde so gut es ging aktiver Widerstand geleistet – es wurden Broschüren, Pamphlete und Bücher gedruckt, Kontakte zu ausländischen Genoss:innen gehalten, geheime Informationen ausgetauscht und auch Verstecke für im Untergrund aktive Genoss:innen wurden besorgt. Kurz: man war Gegner der Nazis, man versuchte alles um die Tyrannen zu stoppen und zu behindern wo es nur ging.
Warum schreibe ich all dies? Weil es schlechterdings unfassbar scheint, dass der ehrenwerte und aufopferungsvolle Kampf von damals gegen die Bestie des Faschismus nun vergessen sein soll. In Anbetracht des Widerstandes mutiger Männer und Frauen gegen das System der Nazis ist es mir
unbegreiflich, dass nun eine explizit NS-Verherrlichende Statue zum hohen und bedeutenden Kulturgut erklärt wird, die es doch bitte zu erhalten gelte. Nein! Dieser elendige Adler auf dem Schwerte aus Stein gehauen ist kein Kulturgut, es ist ein Zeichen der Unkultur! Schlimm genug, dass der Götze an Tyrannei und Vernichtungskrieg nach 1945 nicht gesprengt wurde – wie es die
Alliierten eigentlich wollten – nein, auch noch das 1983 hinzugefügte Zitat „Unseren Helden 1939 – 1945“ steht dort noch immer unwidersprochen. Für einen Sozialdemokraten mit einem bisschen Geschichtsbildung ist dies nicht hinnehmbar. Die Genoss:innen im Rat der Stadt Kalkar täten gut daran, einmal über die Opfer unter den Sozialdemokrat:innen im „Dritten Reich“ nachzudenken und ob es mit ihren Grundwerten zusammenpasst, die Mörder und Folterer ihrer Vorgänger so zu ehren. Ein jeder Sozialdemokrat und eine jede Sozialdemokratin müsste laut aufschreien wenn eine solche Götzenfigur des Faschismus zum Kulturgut erklärt wird! Die zurückhaltende und extrem zögerliche Haltung der Ratsleute der SPD in Kalkar, die sich nicht durch übermäßigen Elan in der Causa auszeichnen, wird der historischen Rolle der SPD nicht gerecht. Dies bedauere ich als treues Parteimitglied sehr. Ich hoffe jedoch darauf, dass man in Kalkar noch zu Verstand kommt und sich
als SPD der stolzen Vergangenheit erinnert und endlich auch öffentlich aktiv gegen die Verherrlichung und Verharmlosung der Gräueltaten deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg agiert.
Das Denkmal der Schande darf nicht zu einer Lappalie oder Fußnote verkommen, die SPD muss dies endlich erkennen und sich entsprechend positionieren.“
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