Die sogenannte Arbeitsgruppe Kriegerdenkmal „hat fertig“. Und faselt in all ihrer Fertigkeit weiterhin von einem „Ort der Mahnung“ an dem von den Nazis unkritisch übernommenen, militaristischen Propagandastück.
„Der nun formulierte Vorschlag
https://kalkar.de/C125757B004FB233/files/gesamte_niederschrift_arbeitsgruppe_kriegerdenkmal_14.11.2023_18.00_uhr_veroeffentlicht.pdf/$file/gesamte_niederschrift_arbeitsgruppe_kriegerdenkmal_14.11.2023_18.00_uhr_veroeffentlicht.pdf?OpenElement
mit den genannten Maßnahmen bündelt die Meinung der Arbeitsgruppe, dass das Denkmal
als Ort der Mahnung und der kritischen Auseinandersetzung in einer neuen, bewusst gestalteten Umgebung erhalten bleiben soll.“
Das dies am Ende einer „intensiven Auseinandersetzung“ der Verantwortlichen mit dem Gegenstand und seinem Kontext steht, dürfte ein kräftiger Schlag ins Gesicht all derer verstanden werden, die das Monstrum seit nun 8 Jahren bekämpfen. Wer immer noch meint hier irgendetwas als „Mahnmal erhalten“ zu können hat den Kern der gesamten Debatte bis heute einfach nicht verstanden. Wie soviel Ignoranz noch irgendwie durchdrungen werden kann, muss an anderer Stelle beantwortet werden.
Ein zu Beginn der Arbeitsgruppe in Aussicht gestellter Künstler*innenwettbewerb steht jedenfalls nicht mehr in Aussicht, obwohl es zum Thema viele gute Vorschläge gab und immer noch gibt aus Kalkar selbst wie von außerhalb.
Der Plan lautet nun, die bestehende Erklärtafel (mit externer Hilfe) umzudichten und „(farbige[…]) Kunststoffplatten oder -scheiben“ vor dem Naziadler aufzustellen, auf dem
„u.a. das Schicksal der jüdischen Bevölkerung Kalkars und die örtliche Gleichschaltung ab 1933, das Thema „Zwangsarbeit“(sic!) mit einer Erinnerung an die in Kalkar eingesetzten Zwangsarbeitenden aus den besetzten Ostgebieten oder auch das Thema „Krieg heute“ thematisiert werden sollen.
Ob eine Würdigung der Rolle der Kalkarer „Helden“ im faschistischen Krieg, die Nicht- Entnazifizierung der jungen BRD, der Lüge von der „Sauberen Wehrmacht“ oder der „kritische Auseinandersetzung und Mahnung“ von örtlichen und ortsnahen Künstler*innen auf diesen Tafeln stattfinden wird ist fraglich. Ob weitere aktive Auseinandersetzung stattfinden soll ebenso. Welches Ziel sollte sie auch haben, wenn nicht die Überwindung der Haltungen von 1936 und ’83 sowie eine konsequente Änderung des Ausdrucks? An diesem soll sich nur auf der Rückseite etwas ändern:
„Die Abdeckplatte soll als zusätzliche proaktive
ebenda
Botschaft gegen die Gewalt und die Gewaltverherrlichung mit einem Friedenszitat bedruckt werden. Auch eine kritische Textspiegelung vor den Steinlettern „Unseren Helden“ ist denkbar.“
Die Widmung bleibt erhalten, nur der Hitlerbezug soll kaschiert werden. Mit einem „Friedenszitat“.
Wenn das Nazi- Kriegerdenkmal, das die Wegbereiter und Mittäter des Holocaust (und weiteren Barbareien) in Kalkars Namen WEITERHIN als Helden feiert, demnächst auf der Rückseite Mahatma Gandhi oder Bertha von Suttner statt Hitler zitiert, wird sicher niemand mehr irgendwas zu meckern haben.
Die Arbeitsgruppe hat schon lange fertig – und nichts verstanden. Denn gänzlich unerwähnt blieb in der Arbeitsgruppe der Kontext sonstiger Erinnerungskultur in Kalkar, insbesondere in Grieth und Altkalkar. Es scheint, als müsse erst wieder „künstlerisch interveniert“ werden, bevor sich auch mit diesen Lobhudeleien auf Nazizeiten „intensiv auseinandergesetzt“ wird.
Hinterlasse einen Kommentar