(Der folgende Beitrag bezieht sich auf den Rheinische Post – Artikel „Gegenentwurf für das Kriegerdenkmal“ vom Dienstag, 12.09.2023)
Endlich eine Idee aus Kalkar!“ freut es die Beobachtenden aus den Nachbarstädten, die seit Jahren Anstoß an der Vorgartendekoration des verschrobenen Nachbarn nehmen. Und tatsächlich wäre es auch für heftigste Kritiker*innen wohl eine akzeptable Lösung, das Kriegerdenkmal simpel in den Zustand vom 08. Mai 1945 zurück zu versetzen: Mit Einschusslöchern und ohne die (offiziell quasi unerklärliche) Umwidmung von 1983! -Die von vielen Verteidiger*innen angedichtete Authentitzität wäre endlich wiederhergestellt und die Brücke zur Kalkarer Gesellschaft nach Auschwitz wieder abgerissen.
Diskussionswürdiger ist hingegen die im Artikel erinnerte Ansicht Hrn. van der Grintens, die Faschisten hätten mit dem Greifvogel, der Widmung und der Definition auf dem Sockel „kein kriegsverherrlichendes Denkmal“ errichtet. Bis auf ihn sind sich wohl die meisten Betrachtenden einig, dass Adler nicht bekannt dafür sind, Dinge hinunter zu drücken und ein Schwert in seinem Futeral selten besonders spitz aussieht.
Hier zeigt sich die gefährliche Oberflächlichkeit mit der das Kriegerdenkmal oft betrachtet und mit der entsprechend auch die Diskussionen häufig geführt werden. Das Problem sei ja der Hitler und der müsse selbstverständlich weg, aber es gäbe ja keine Hakenkreuze und damit sei das Denkmal schon „sauber“. So beantragte die örtliche SPD im Dezember 2020 :
„Das Zitat aus dem Buch mein Kampf von A. Hitler, welches sich auf der rückwärtigen Seite des Kriegerdenkmals befindet, sorgt immer wieder für Ärger. Das Denkmal wurde des Öfteren deswegen beschmiert und wird aufgrund dessen als Nazidenkmal bezeichnet.“
https://ris.kalkar.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZZoBsEX29SAA5L4RJ4FzmEeYIFdFiLpv1sGhcRibWTLH/Anlage_Antrag_A11-8__Kriegerdenkmal_SPD-Fraktion.pdf
Wer weiter nichts aus den Analysen der Unkultur des Faschismus, seiner Sprache, seiner Bilder, Lieder und Kunst gelernt haben will, als dass man Hitler nicht zitiert und jedes Hakenkreuz verdeckt werden muss, hat nichts gelernt. Es ist der Heldenkult, die Kriegerkultur, das Erziehen zum Töten und Sterben für Nation, Gott, Kaiser, Führer, Vaterland allein in die originären zwei Zeilen auf dem Sockel gemeißelt und keine Antwort darauf wäre 1945 noch adäquat gewesen als die, welche die Alliierten bei ihrem Einrücken in Kalkar hinterließen.
Was hätte wohl noch kriegsverherrlichender sein können, als auf so einem Stück Nazikultur auch noch die ‚verführten Täter‘ in der gleichen Tradition als „Helden“ zu feiern – wie es Kalkar bis heute tut.
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