Die Kulisse war schon Mist. Immerhin: der Gockel schaute wie beleidigt von der Veranstaltung weg, die die Stadt Kalkar zur Präsentation der Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppe am Mittwoch, den 16.08. auf dem „Platz der Begegnung“ abhielt. Mit der Abfolge der Sprechenden will ich niemanden langweilen, inhaltlich blieb es beim Erwarteten: Für wirklich an der Materie Interessierte gab es null Erkenntnissgewinn. Tatsächlich offenbarte man lediglich, dass die Arbeitsgruppe in zwei Jahren „intensiver Auseinandersetzung“ (wie die RP es wieder lobhudelte) nichts zustande gekriegt hat als eine laienhafte Umfrage mit Schüler*innenbeteiligung, die -wenn überhaupt irgend etwas- nur belegt hat, wie wenig sich die Leute hier mit dem beschäftigen, was in ihrem Vorgarten rumsteht.
Die Diskussion nach den Statements auf die grüne Wiese neben dem Plenum zu verlegen war dann auch die wahrscheinlich beste Idee, die Kalkar zum Thema jemals hatte. Wie viele Vorschläge für den weiteren Umgang am Ende gesammelt wurden, bleibt jedoch abzuwarten.
Trotz eigener Einmischung hörten wir kritische bis empörte Stimmen, wie die von Lehrer*innen, die es ablehnten dass die Verantwortung auf sie und ihre Schüler*innen abgewälzt werde. Vorwürfe, die Problematik werde ausgesessen, mussten wir hier auch nicht selbst erheben. Eine Schande für Kalkar seien -neben der schlechten Erklärtafel- auch der Umstand, dass sich lange nicht und wenn dann immer nur sehr zögerlich mit dem Kriegerdenkmal befasst wurde und werde.
Jetzt aber stünde man ja hier und such e nach einer Lösung, klopfte sich Kalkar also selbst auf die Schulter für zwei Jahre harte Arbeit an einer Projektwoche für Siebtklässler*innen und fragte mit mehr als nur einer gezuckten Schulter an diesem Abend: „Was tun?“
Dreimal beantwortete ich diese Frage der Bürgermeisterin, die mich dreimal ansprach: Bis auf weiteres gehört zuallererst die Glorifizierung der Wehrmacht abgestellt. Ein Provisorium wie auf der Rückseite würde es tun. Ob das Ding nachher in den Urzustand zurück gemeißelt oder mit Hinweistafeln komplett zugebaut wird, ist egal. Das Schluss ist mit der Verehrung der Täter und die Verhöhnung der Opfer ist erstes Interesse. Jedes mal begegnete Sie mir mit sehr viel „Verständnis“ für meine Empörung und „Selbstverständlich“keit der Ansicht, dass Nazipropaganda Nazipropaganda bleibe und „Natürlich“keit dass das Dingen so nicht da stehen bleibe. Jedoch sei Sie nicht allein verantwortlich. Einen Ratsantrag stellen wolle Sie auch nicht. Nach 40 Jahren seien nochmal ein paar Jahre doch auch nicht so wild. -Soviel Verständnis. Soviel Selbstverständlichkeit.
Und so bleibt der Nazigockel von Kalkar weiter Normalität.
Normaler Militarismus.
Normales Tätergedenken.
Der Abend ging nicht vorbei, ohne dass noch einmal erwähnt wurde, wie schwerkriminell doch die Sachbeschädigung durch Wilfried Porwol gewesen sei. Auch nicht ohne dass selbst erklärte Nachkommen von Wehrmachtsveteranen diesen Ort zur legitimen Trauerstätte umdeuten wollten. Ein Mann meinte gar, für ein „Nie wieder“ sei dieses steingewordene Nazigift in seiner 83-er Version gar unabdingbar. Eine alte Frau fragte mich noch, ob ich überhaupt aus Kalkar sei.
Ganz am Ende meinte noch jemand, abgerissen werden solle es aber auch nicht. -Dieser glückliche Mensch muss auch Corona komplett verschlafen haben.
Mit Jürgemlink und Kuypers hat übrigens noch niemand gesprochen.
Mit Vertreter*innen der Opfergruppen der verklärten Täter auch nicht.
Das war’s noch lange nicht, Kalkar. So oder so.
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