Ein Rückblick

Seit Februar 2022 gibt es nun Kalkarshelden, Zeit also für einen Rückblick auf das, was bisher geschehen ist. Viel relevanter als dieses Blog ist allerdings die sogenannte Arbeitsgruppe der Stadt Kalkar, die bereits 4 Monate zuvor entstanden ist. Schauen wir also, was die bisher so gearbeitet hat…


Im Oktober 2021 hörte sie sich nochmal die Geschichte des Nazigockels an und lies sich das Gutachten des LVR- Denkmalamts erklären. Zum Ziel gesetzt wurden sich „Aufarbeitung und Auseinandersetzung“ und „Stoffsammlung“ für ein „neues, umfassendes Gedenken“.
-Bis heute finden sich in den Arbeitsgruppenprotokollen keine Hinweise auf eine Auseinandersetzung mit den auf dem Denkmal Geehrten. Von einer Aufarbeitung der Taten Kalkarer Weltkriegssoldaten oder auch nur einer „Stoffsammlung“ -zum Beispiel durch Aufrufe zur Einreichung von Dokumenten, Fotos und Briefen ans Stadtarchiv oder an Schulen- bisher keine Spur.


Im November 21 erklärt die Gruppe im Konsens, das Denkmal nicht abreißen lassen zu wollen. Man wolle die Umstände der Umwidmung von 1983 klären, damals beteiligte Persönlichkeiten befragen. Bildungsprojekte an den weiterführenden Schulen sollen zusammen mit dem „Verein der Freunde Kalkars“ umgesetzt werden. Es wird über einen Künstler*innenwettbewerb mit Bürger*innenbeteiligung nachgedacht.
-In welchem Umfang und mit welchem Inhalt Bildungsprojekte an den Schulen oder durch den Verein geplant oder durchgeführt wurden, geht aus den Protokollen nicht hervor. Da sie keine weitere Erwähnung finden, ist davon auszugehen, dass nichts Relevantes stattgefunden hat. Auf Antworten zur Umwidmung warten wir bis heute vergebens.


Im Januar 2022 stellt sich der Arbeitsgruppe die GeBeGe vor. Zusammen wird überlegt, wie man eine Befragung der Kalkarer Bevölkerung durchführen könnte.
-Warum ausgerechnet eine Gesundheitsconsultingfirma wegen des Nazigockels angerufen wurde, mochte Dr. Schulz nicht sagen, ist aber auch nebensächlich, denn:


Im April 2022 liegt ein Angebot der GeBeGe vor, das einstimmig abgelehnt wird. Die AG möchte jetzt lieber selber einen Fragebogen machen, einen Anspruch hat dieser aber nicht: „Eine repräsentative, wissenschaftlich begründete und soziografisch fundierte Auswertung solle und könne jedoch nicht erwartet werden.“
-Es ist also von vornherein klar, dass diese laienhafte Befragung kein definiertes Ziel verfolgt und keine verwertbaren Erkenntnisse bringen wird. Aber vielleicht werden wir ja überrascht. Spoiler: Nö.


Im Juni 2022 ist der eigene Fragebogen fast fertig und wird noch ein bisschen
durchbesprochen. Es wird überlegt, im September eine öffentliche Veranstaltung zur Vorstellung der Ergebnisse mit Diskussionsrunde zu veranstalten, moderiert von einem externen Experten.
-Die Befragung wurde inzwischen seit einem halben Jahr „geplant“. Für einen so geringen Anspruch nicht unbedingt sportlich. Im September wird es keine Veranstaltung zum Thema geben. Das ganze Jahr nicht mehr.

Im August ‘22 werden die vorläufigen Befragungsergebnisse vorgestellt, es soll aber noch die Gesamtauswertung abgewartet werden.
-Die ersten Ergebnisse geben erwartungsgemäß wenig her. Neue Argumente oder Ansichten zur Debatte sucht man vergebens.

Die vorläufig letzte Sitzung der Arbeitsgruppe fand Ende September 2022 statt. Inzwischen soll eine erste Kontaktaufnahme zum Experten stattgefunden haben, den man für die nicht stattgefundene Veranstaltung Mitte September einladen wollte. Ein Großteil des Protokolls widmet sich der Frage Umgestaltung des Platzes um das Denkmal. Demnächst wolle man Arbeitsergebnisse vorstellen.
-Welche das wären bleibt abzuwarten. Denn von „Auseinandersetzung und Aufarbeitung“ der Geschichte des Denkmals und der auf ihm Geehrten, auch nur von einer „Stoffsammlung“ zum Thema oder gar der Konzeptionierung „neuen, umfassenden Gedenkens“ ist diese AG so weit entfernt wie zuvor. Sitzung um Sitzung entsteht mehr und mehr der Eindruck, dass Kalkar es damit nicht nur nicht eilig hat sondern es nicht im Geringsten ernst meint und die Sache so lange aussitzen möchte, bis sich auch außerhalb Kalkars kein blasser Knochen mehr für den Nazigockel und die Bande, der er gewidmet
ist, interessiert.


Der ehemalige Stadtdirektor und der ehemalige Bürgermeister mussten sich immer noch nicht für ihre revisionistische Umwidmung verantworten, der durch ihr Handeln in das Stadtbild Kalkars eingeflochtene „Mythos der Sauberen Wehrmacht“ wurde noch nicht einmal auf den Tisch gebracht. Über herausragende Bildungsprojekte im Zusammenhang mit Kalkars Nazigockel ist nichts nach außen gedrungen. Stattdessen wurde scheinbar komplett willkürlich die nächstbeste Consultingfirma ein- und gleich wieder ausgeladen, aus Bürger*innen- Beteiligung wurde eine schnöde Befragung und diese brachte am Ende exakt Null Erkenntnisgewinn zur Debatte, die ja auch erst seit mindestens 8 Jahren lief. Und von einem Künstlerinnenwettbewerb ist seit Monaten keine Rede mehr. All dies, während ganz Kalkar es zulässt, dass jedes Andenken an die unzähligen Opfer der beiden Weltkriege mit schweren Stiefeln getreten wird wenn Tag für Tag die Menschen am Abzug als „Helden“ hingestellt werden.
Dass dies kein überregionaler Skandal ist, ist beschämend für die sich selbst immer wieder hochlobende, deutsche „Erinnerungskultur“ – aber für aufmerksam Beobachtende wahrlich keine Überraschung mehr. Niemand politisch verantwortliches will Verantwortung übernehmen – auch das scheint deutsche Normalität zu sein. Dass sich aber unter 14.000 Kalkar*innen nicht eine Person findet, die imstande wäre, für das Ansehen ihrer Stadt und gegen Hitlers Helden einen schweren Hammer zu schwingen oder auch nur einen Antrag zu schreiben, ist ein Armutszeugnis für die gesamte Stadtgesellschaft. In der Erziehung nach Auschwitz hat sie -nicht allein- offenbar vollkommen versagt.

[Der Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Kalkar sind vor Veröffentlichung dieses Textes verschiedene Fragen zur Klärung und Vervollständigung gestellt worden, Diese wurden –bisher- nicht beantwortet.]

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