Blumen im Schatten des Adlers

Am 27.01. fanden vielerorts Gedenkveranstaltungen statt zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 1945 durch die Rote Armee. So auch in Kalkar, wie kalkar.de heute (28.01.2023) schreibt:

„Am Holocaust-Gedenktag erinnerte Bürgermeisterin Dr. Britta Schulz an die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und an die notwenige Erinnerungsarbeit heute sowie an die Verpflichtung, für Frieden, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einzustehen. Sie dankte den Schülerinnen und Schülern des Jan-Jöst-Gymnasiums für ihre beispielhafte Mitwirkung. In bewegenden Worten berichteten die Schülerinnen und Schüler über das Schicksal der jüdischen Familien aus Kalkar und von den Eindrücken des Besuches im Konzentrationslager Auschwitz.“

kalkar.de „Meldung vom 27.01.2023“


Einen Tag nach diesem Auftritt möchten wir Dr. Britta Schulz an die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und an notwendige Erinnerungsarbeit erinnern, die sich nicht in Festtagsreden erschöpfen darf, sondern im Alltag beweisen muss um nicht zur Folklore zu verkommen.

Im Alltag grüßt Kalkar weiterhin alle Ankommenden mit einem unverhohlenen „Die Soldaten von 1939-1945 gehören zu den Helden unserer Stadt!“.
Nicht einmal am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wird diese Aussage zurückgenommen oder auch nur kaschiert –auch nicht auf Bitten. Sie bleibt auf dem monumentalen, fein geputzten Adler stehen, während die Bürgermeisterin mit ihrem Kranz am Gedenkstein im Park steht. Die Verehrung von Soldaten, die für ihre Befehlshaber gleich zwei Mal die ganze Welt in Brand gesetzt haben als „Helden“, die Bildsprache des schwertbewehrten Adlers, die Intentionen der Erbauenden- das alles hat nichts mit „notwendiger Erinnerungsarbeit“ zu tun. Es bleibt Verklärung, es bleibt in Stein gehauene Verhöhnung der Opfer.

Einmal im Jahr Blumen hinzulegen wiegt diese ständige Schäbigkeit nicht auf.

Frau Dr. Schulz, wenn sie es ernst meinen mit Ihrer Verpflichtung für den Frieden, beenden sie die militaristische Propaganda an ihrem Ortseingang.
Wenn sie es ernst meinen mit ihrer Verpflichtung für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, unterbinden Sie die Verehrung eines Heldentypos, der alldem entgegensteht: Deutsche Soldaten überfielen und versklavten andere Völker, versuchten sie auszulöschen, brachten ihnen Krieg, Hitlerdiktat und willkürlichen Terror.

Wenn Sie es ernst meinen mit notwendiger Erinnerungsarbeit, dann decken und zeichnen sie die „Heldentaten“ der Kalkarer Weltkriegsveteranen auf.

Wenn Sie es ernst meinen damit, den Opfern des Nationalsozialismus würdig zu gedenken, tun Sie dies nie wieder im Schatten dieses Nazigockels.

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