Die Arbeitsgruppe – Vierter Aufzug

Nach 3 Monaten tagt am 27.04. die Arbeitsgruppe zum vierten Mal. Seitdem hat sie bis Anfang September nichts offizielles mehr von sich hören lassen.

 Gleich zu Beginn platzt die Bombe, die hochqualifizierten Umfragepsycholog*innen der GeBeGe würden die skizzierte Umfrage nicht durchführen. Im Protokoll wird diesbezüglich Einstimmigkeit erklärt, jedoch nicht die Gründe. Ich hätte ja nen 10er auf finanzielle Gründe gesetzt, Herr Münzner erklärte mir auf Nachfrage per e-Mail, diese seien nicht inhaltlicher sondern „verfahrenstechnischer“ Natur, whatever that means. An Stelle der Gesundheitsconsultingfirma haben nun Herr Münzner (Abteilung Öffentlichkeitsarbeit) und Frau Weyers (Seniorenbeirat) ein Modell zur Befragung erarbeitet. „Mit Hilfe verschiedener Fragen solle ein Stimmungsbild bei der Kalkarer Bevölkerung eingeholt werden. Eine repräsentative, wissenschaftlich begründete und soziografisch fundierte Auswertung solle und könne jedoch nicht erwartet werden.“ Wir erinnern uns: Das Gedöns soll am Ende einzig Künstler*innen dienen, Inspiration für eine Umgestaltung des Nazigockels zu finden. Die Arbeitsgruppe macht sich nun tatsächlich Arbeit: Jedes Mitglied soll um die 10 Freund*innen, Nachbar*innen, Vereinskolleg*innen o.ä. befragen.

 Wer sich nun fragt, was das ganze überhaupt soll: Dass ein paar Leute ohne Problembewusstsein jetzt ihr aller Wahrscheinlichkeit nach nicht maßgeblich sensibleres Umfeld zu „Befindlichkeiten“ befragt, hat tatsächlich keinen wissenschaftlichen Wert. Inwieweit die Ergebnisse nun repräsentativ für Kalkar sind wird sich nicht beurteilen lassen. Welchen Wert diese ganze Geschichte für Künstler*innen, die sich mit der Umgestaltung von Nazidevotionalien beschäftigen haben soll, wurde bisher auch mit keiner Silbe erläutert. Meint die AG, Künstler*innen würden ohne diese Befragung völlig uninspiriert drauflosmeißeln? Geben der Gockel selbst, seine Entstehungsgeschichte, seine Umwidmung, sein Kontext im Stadtbild, seine Inschriften, die öffentliche Debatte um ihn, die bereits erstellten Kunstwerke im Bezug zu ihm, die Leser*innenbriefe und nicht zuletzt die Berichte von Zeitzeug*innen der gelobten „Helden“- Taten nicht genug Ansatzpunkte für eine Umgestaltung des Platzes, verspricht die Befindlichkeitsabfrage in Brittas Kegelklub wohl auch keinen Musenkuss. Und in all der Zeit verhöhnt Kalkars steinernes Lied auf seine Helden im Sekundentakt deren Opfer.

 Zuletzt werden noch Möglichkeiten der Bekanntmachung der Umfrage (Plakate, Video der BM, etc.) ausgedacht, von der meines Wissens nach nicht eine einzige umgesetzt wurde. Auch gab es die Idee, die Umfrage in Wahllokalen zur Landtagswahl im Mai durchzuführen, was jedoch durch die Wahlleiterin gem. §25 Abs.2 LWahlG abgelehnt wurde. Ein paar Änderungen am Entwurf der Umfrage werden wohl vorgenommen, der Inhalt bleibt jedoch komplett unerwähnt. Ein neues Treffen wird für den 29. Juni anberaumt. Das Protokoll hierzu wird erst Ende September veröffentlicht.

Eine Antwort zu „Die Arbeitsgruppe – Vierter Aufzug”.

  1. Eine Bürgerschaft, die seit Generationen eine Nazi-Parole im öffentlichen Raum zulässt, ist vorerst wohl unbelehrbar. Wir sollten aufhören, sie aufklären zu wollen, sondern diese Tatsache weit und breit bekannt machen. Zum Beispiel mit touristischer Information: „Besucht das kuriose, geistig gut erhaltene Nazi-Städtchen am Niederrhein!“

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